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Durch den Willen der Regierungen Dänemarks und der Bundesrepublik Deutschland soll es trotz der seit Jahrzehnten bestehenden und bewährten Fährverbindung zwischen Rødby und Puttgarden zu einer festen Beltquerung kommen. Die Realisierung einer festen Querung des Fehmarnbelts ist mit erheblichen Risiken für Natur und Umwelt verbunden. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ist dies als äußerst fragwürdig einzustufen. Für Dänemark geht es hierbei um den Zugang zu ganz Europa, während Fehmarn zur reinen Transitstrecke des internationalen Verkehrs wird.
Bei einer festen Beltquerung wird es zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten kommen: Beim Fährbetrieb stehen 615 feste plus ca. 100 Saisonarbeitsplätze und Arbeitsplätze der Zulieferfirmen zur Disposition. Der Tourismus bietet ca. 1200 Menschen Arbeit. So ergibt sich eine Größenordnung von ca. 1915 Arbeitsplätzen - im Beschlussvorschlag lesen wir aber nur von 370. Darum sagen wir: »Bei einer festen Beltquerung werden Steuergelder zur Vernichtung von Arbeitsplätzen eingesetzt.« (60 Mill.)
Die Sicht des Bundeswirtschaftsministers Herrn Austermann, der am 21.09.2007 in Burgtiefe für die feste Beltquerung warb, es würde sich ein nenneswerter Baustellentourismus einstellen, und außerdem kämen ja auch heute Urlauber nach Fehmarn, um sich die Windräder anzuschauen, können wir nicht teilen. Genausogut könnte das Land mit dem Atommeiler in Krümmel werben: »Besuchen Sie Krümmel, Sie werden strahlend zurückkommen.«
Auch aufgrund der extremen Windverhältnisse, die schon heute häufig zur Sperrung der deutlich kleineren Fehmarnsundbrücke führen, wird die neue Brücke während eines nicht unerheblichen Teils des Jahres nicht nutzbar sein. Dieses Argument will Herr Austermann nicht gelten lassen und verweist auf eine Studie der Landesregierung, die davon ausgeht, dass die Brücke nur für insgesamt 12 Stunden pro Jahr gesperrt werden muss (für Wohnwagen und leere LKW jedoch 170 Stunden). Dies ergäbe eine jährliche Verkehrsausnutzung von 98%. Diese Ausnutzung soll durch eine neue Technik mit Windschotts erreicht werden – nur weiß leider noch niemand, wie diese Technik funktioniert.
Die Brücke wird als riesige Barriere quer zur Zugrichtung der Vögel verlaufen und damit einen der bedeutendsten Vogelzugwege Europas stark beeinträchtigen. Das Negativbeispiel Öresundbrücke zeigt, dass insbesondere nachts ziehende Singvögel mit der Brücke kollidieren. Die große Beltquerung wird somit zur Bedrohung für den Fortbestand der betroffenen Singvögel und der Zugvogelkiller Nr. 1 in Europa sein.
Keine große Beachtung hat bisher eine Untersuchung des Leibnitz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde gefunden: Bei Messungen an den Pfeilern der großen Beltbrücke an der Insel Seeland wurden Turbolenzen in der Wassersäule festgestellt. Zur Erklärung dieser negativen Turbolenzen eine Erläuterung aus der Untersuchung:
Das sauerstoffreiche Wasser fließt dabei in einer Tiefenströmung durch die Meerenge. Dieser Strom vermischt sich an der Brücke messbar mit dem weniger salzhaltigen Oberflächenwasser. Mit dem geringeren Salzgehalt werde das sauerstoffreiche Wasser leichter und könne daher nicht mehr bis ins Tiefenbecken der Ostsee vordringen. Es gibt keine klare Grenze innerhalb der Sprungschicht mehr. Eine weitere Brücke könne diesen Effekt der Untersuchung zufolge nur noch verstärken und den Zustrom sauerstoffreichen Wassers in die Ostsee empfindlich stören. Als Folge könnten Tiere und Pflanzen großflächig sterben, heißt es in der Untersuchung. Auf Seeland hat man Küstenbereiche abgetragen, um die Gesamtmenge des durchströmenden Wassers gleich zu halten. Angesichts des Strömungsverhaltens in verschiedenen Wassertiefen reiche dies jedoch nicht aus, so die Experten des Leibnitz-Instituts. Auch das erhöhte Aufkommen von Blaualgen in der mittleren Ostsee gäbe Anlass zur Sorge.
Im Beschussvorschlag werden die Ausgleichsflächen für die Landwirtschaft in Großenbrode und Oldenburg erwähnt. Aber was ist mit den daraus resultierenden Folgekosten für die Betriebsmittel und dem Fahrzeugpark innerhalb der landwirtschaftlichen Betriebe? Ferner sind die Ablagerungsflächen für das überschüssige Baggergut noch nicht beachtet worden.
Auch in Dänemark gibt es eine gespaltene Meinung zur festen Beltquerung. Nach einer Umfrage sind 44% der Bevölkerung dagegen und nur 39% dafür, und 75% kritisieren sogar, dass sich Dänemark zur alleinigen Finanzierung verpflichtet hat. (16.08.2007)
Wolfgang Schümann, Mitglied des Kreistags